Evangelisch-lutherische St.-Georgs-Kirchengemeinde Mellendorf

Suchet der Stadt Bestes

Mit diesem Bibelvers aus Jeremia 29,7 heißen wir Sie und Euch herzlich willkommen auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Mellendorf-Hellendorf.

 

 

Glaubenssache

Wer bin ich?

Als Kind habe ich Fasching geliebt!!! Endlich mal sein können, was ich gerne sein möchte. Und ich war alles: Prinzessin, Hund, Kuh, einmal ein Clown, Haremsdame. Ich war sogar mal ein Verkehrsschild. (Ich glaube, es war: Durchfahrt verboten.) Einmal bin ich auch als „Nichts“ gegangen. Ich hatte einen schwarzen Anzug an und eine weiße Gipsmaske. Ich war total verborgen hinter der Maske. Niemand konnte mich erkennen. Wenn mich niemand erkennt, dann kann ich mutiger sein. Da mache ich Sachen, die ich mich sonst nicht trauen würde: Selbstbewusster auftreten, jemandem mal die Meinung sagen, verrückt tanzen oder mit den Augen rollen wenn der Vorgesetzte spricht. Hinter der Maske kann auch niemand sehen, ob ich lache oder weine. Nicht nur an Fasching, sondern auch im Alltagsleben tragen wir oft Masken und wollen oder können unser wahres Gesicht nicht jedem sofort zeigen. Wir sind Sachbearbeiter, Lehrerin oder Maler, Polizistin, Erzieher oder Lagerist. Nach der Arbeit sind wir Kunden, Autofahrer oder Arztbesucher. Manchmal auch Temposünder, Couch-Potato oder Nervensäge. Für jede Rolle gibt es die perfekte Maske. Dietrich Bonhoeffer hat einmal ein passendes Gedicht dazu formuliert:
„...Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
... Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“
Egal, als was ich mich verkleide, egal, in welcher Rolle ich gerade stecke: hinter der Maske bleibe ich immer noch ich selber. Genauso stark oder auch genauso schwach, wie ich eben bin. Wenn ich mich als Clown verkleide, bin ich nicht automatisch lustig. Ich bleibe traurig, auch wenn ich mir riesige Augen und einen großen lachenden Mund ins Gesicht gemalt habe. Manche Menschen lassen wir hinter unsere Masken blicken. Aber nur Gott ist es, der hinter jede einzelne Maske schaut. Von ihm sind wir – liebevoll – angesehen, egal welche Maske wir gerade tragen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine fröhliche Faschingszeit!
Pastorin Debora Becker