„Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ (1. Petrusbrief 4,10)

 

Alles ist anders. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Erst der Brand unseres Gemeindehauses, dann die Corona-Krise. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, kann keiner sagen, wie unser Leben im Mai sein wird! Nur so viel ist jetzt schon deutlich: Wir alle haben neue Erfahrungengesammelt, jeder für sich und alle  miteinander. So wie unser Leben sich verändert hat, so sind auch wir andere Menschen geworden. Die Krise bringt nicht nur Not, Mangel und Schlechtes, die Krise bringt auch das Beste an uns Menschen zum Vorschein!
Wer hätte das für möglich gehalten!? Gastfreundschaft und Nachbarschaftshilfe, wohin man nur schaut. Schon in den ersten Tagen nach dem Brand hatten  alle Gruppen einen Ort gefunden, an dem sie sich treffen konnten. Kirche im Dorf, nicht nur im Gemeindehaus! Zu Gast im Kindergarten der Gemeinde, im  Mehrgenerationenhaus, in den Nachbargemeinden oder im Gasthaus.
Dann kam die Corona-Krise und das Kontaktverbot für alle. Besuche und persönliche Begegnungen waren nicht mehr möglich, alle Veranstaltungen  mussten abgesagt werden – sogar die Gottesdienste. Und wieder gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft und der guten Ideen! Einkaufsdienste, Telefonketten, Konzerte und Gottesdienste im Internet. Wertschätzung und Anerkennung für Verkäuferinnen, Pflegekräfte, Erzieherinnen, Polizei und alle, die den Laden auch in schweren Zeiten am Laufen halten – ja sogar für Politik und Verwaltung.
„Dient einander…, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ Ich sehe so viele Gaben und Talente, die im Verborgenen schlummern und dann, wenn sie gebraucht werden, zum Vorschein kommen.
Kinder, die ein Osterbild malen und alten Menschen damit eine Freude machen. Frauen, die Mundschutze nähen mit fröhlichen Farben! Jugendliche, die sich zum WhatsApp-Gottesdienst verabreden und für sich und andere beten. Ältere, die sich gegenseitig anrufen, damit keiner alleine bleibt. Nicht jeder kann alles, aber alle können etwas, womit man „einander dienen“ kann! Der Schreiber des Petrusbriefes sieht darin eine „Gnade Gottes“. Sie ist jedem von uns anvertraut. Wir alle sind „Verwalter“ dieser Gnade. Was erwartet man von einem guten Verwalter? Zunächst einmal, dass er das, was ihm anvertraut wurde, gut verwahrt und „in Schuss hält“. Darüber hinaus ist der Verwalter dafür verantwortlich, dass das ihm anvertraute Vermögen sich vermehrt und möglichst viele und gute Früchte trägt. Dieses Bild aus dem antiken Wirtschaftsleben bewährt und bewahrheitet sich in diesen Tagen in unseren Gemeinden und in unserer Gesellschaft.
„Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“

Mit diesen Worten grüße ich Sie alle ganz herzlich! Bleiben Sie behütet!

Ihr
Michael Brodermanns, Pastor